Kollegiale Beratung und Supervision (KoBeSu) 
als Selbsthilfemodell für Lehrkräfte

Hervorgehoben

Eine Möglichkeit den Stress im Berufsalltag zu bewältigen bietet die Supervision. Der Ausdruck meint nichts anderes als einen Gesprächskreis. Entlastende Gespräche können mit Hilfe bestimmter Gesprächsregeln und Verfahren geführt werden.
Kollegiale Beratungsformen halten Einzug in den Schulen und sind geforderter Standard in der Ausbildung von Lehrkräften. Das Konzept der Kollegialen Beratung und Supervision ist ein wichtiger Hintergrund für Inhalte des Moduls Beratung.

Begriffsklärung
Der Begriff „Beratung“ wird hier verstanden als Form der sozialen Hilfe, die einer Ratsuchenden ein Reflexionsverfahren anbietet, das zur Auseinandersetzung mit sich selbst führt. In der Beratung wird die Ratsuchende dabei begleitet, eine eigene Lösung zu finden.

Supervision“ ist eine Sonderform von Beratung im beruflichen Bereich und wird als permanente, berufsbegleitende Weiterbildung verstanden. Es sind Einzel- oder Gruppengespräche möglich.

Kollegiale Supervision“  bedeutet, dass eine Gruppe selbstständig – ohne externen Supervisor – berufliche und/oder persönliche Fragen bearbeitet. Ein Gruppenmitglied moderiert und strukturiert die Gruppe, ein anderes Gruppenmitglied trägt als Ratsuchende ein Beratungsanliegen vor. Kollegiale Supervision ist vergleichbar mit einem Gesprächskreis. Entlastende Gespräche werden mit Hilfe bestimmter Gesprächsregeln und Verfahren geführt. (vgl. „Fallberatung unter Kollegen“ in Lernchancen 84/2011)

Das Verfahren der „Kollegialen Beratung und Supervision“ abgekürzt „KoBeSu“, wurde von dem Oldenburger Hochschullehrer Jörg Schlee Ende der 80er Jahre für pädagogische Berufe entwickelt. Es ist ein Verfahren, das stark strukturiert und ritualisiert ist, um einerseits der Ratsuchenden Transparenz und Sicherheit zu geben und andererseits der Beratergruppe ein erfolgreiches Verfahren anzubieten. Es besteht dabei der Anspruch, dass die Ratsuchende eine Klärung ihres Anliegens erreicht und dadurch ihr Problem selbst lösen kann. Die Problemlösung ist also nicht Aufgabe der Beratergruppe.

1. Theoretischer Hintergrund
KoBeSu steckt mit seinen Wurzeln im Bereich der Humanistischen Psychologie. Drei wesentliche Bereiche daraus sollen angesprochen werden, um den Hintergrund zu skizzieren.
Der KoBeSu liegt das Menschenbild des Forschungsprogramms Subjektive Theorien zugrunde. Der Mensch wird als Subjekt gesehen, der sich in seinem Handeln an Sinn und Bedeutung orientiert, bewusstseins- und erkenntnisfähig ist. Für die Bewältigung des Alltags braucht der Mensch geeignete Sichtweisen und Einstellungen, quasi innere Landkarten, die Subjektive Theorien genannt werden. Diese Subjektiven Theorien des Alltagsmenschen erlauben ihm Hypothesen aufzustellen, die sich in der Realität bewähren können. Im Vergleich zu Wissenschaftlichen Theorien sind die Subjektiven Theorien des Alltagsmenschen nicht so ausgefeilt und ausgereift. So wie der Wissenschaftler entwickelt auch der Alltagsmensch seine Subjektiven Theorien weiter. Zur Weiterentwicklung gehört gleichermaßen Verständnis wie Konfrontation dazu, was sich in den zwei Hauptphasen des KoBeSu-Verfahrens widerspiegelt. Das zentrale Anliegen der KoBeSu ist die Weiterentwicklung der Subjektiven Theorien, also die Passung der inneren Landkarte an die wahrgenommene Realität.

Wenn der Alltagsmensch merkt, dass Probleme auftreten, also seine Subjektiven Theorien ungünstig sind, können sie einer Veränderung zugänglich gemacht werden. Dazu spricht der Alltagsmensch seine Sichtweisen aus und macht sie sich damit bewusst.
Um das Aussprechen zu unterstützen, ist das aktive Zuhören die klassische Methode. Sie ist bekannt aus der Klientenzentrierten Gesprächstherapie nach Carl Rogers und eine wichtige Basis, um den Klärungsprozess einer Ratsuchenden zu fördern. Gerade das aktive Zuhören muss sehr sorgfältig erlernt werden und darf nicht als reine Technik missverstanden werden. Es geht um die innere Einstellung der Berater, die das aktive Zuhören tragen. Carl Rogers formuliert drei Grundhaltungen:
- Empathie, das einfühlende Verstehen,
- Akzeptanz, die bedingungslose positive Wertschätzung der Person und
- Kongruenz, das echte Einbringen der Berater ohne Maske vor den eigenen Gefühlen,
welche mit der Zeit als Haltung erworben werden.

 

 

 

Der Kommunikationsprozess lässt sich mit dem 4-Ohren Modell nach Schultz von Thun genauer betrachten. Für die KoBeSu ist es wesentlich, dass das aktive Zuhören vorwiegend auf das Selbstkundgabeohr gerichtet ist, um den Klärungsprozess der Ratsuchenden zu unterstützen. Dabei darf das empfindliche Beziehungsohr keine Botschaften empfangen, die verunsichern.

Soweit soll der Einblick in wesentliche Theoriebezüge reichen,

  1. dem Forschungsprogramm Subjektive Theorien, das ein Menschenbildmodell liefert und aussagt, wie sich Menschen verändern können,
  2. dem aktiven Zuhören nach Carl Rogers, das zum Ziel hat, die Ratsuchende inhaltlich und mit all ihren Emotionen verstehen zu wollen,
  3. dem Kommunikationsquadrat nach Schultz von Thun, das beschreibt, wie eine Nachricht quasi auf vier Kanälen gesendet und empfangen werden kann.

2. Organisatorischer Rahmen
In diesem Abschnitt werden Voraussetzungen für die praktische Arbeit, die verschiedenen Aufgaben in einer Unterstützungsgruppe und das Hilfsmittel der Störungskarte benannt.

Voraussetzungen
Eine KoBeSu Gruppe besteht aus ca. vier bis sechs Personen, die sich regelmäßig für zwei bis drei Stunden treffen, vielleicht ein Mal im Monat.
Vorausgegangen ist eine Phase der Einführung in die Arbeitsformen und Spielregeln. Besonders wichtig ist es, in das aktive Zuhören sorgfältig einzuführen, damit die Sicherheit der Ratsuchenden im Prozess der Beratung gewährleistet ist. Dazu gehört auch die Bestandsaufnahme des eigenen Gesprächsverhaltens und das Wissen über ungünstige Formen. Weinberger beschreibt Gesprächsstile, die zwar gut gemeint sind, für den Klärungsprozess der Ratsuchenden doch eher hinderlich sind. Weinberger benennt das Bagatellisieren, Fragen stellen, Ratschläge geben und Werturteile abgeben. Es sind alltägliche Gesprächsstile, die beraterisch eher ungünstig sind. (vgl. Weinberger 1980, S. 22ff)

Aufgaben in einer Unterstützungsgruppe
Für den Arbeitsprozess werden einige Aufgaben vorher rotierend festgelegt. Bei KoBeSu sind dies: Moderator, Zeitnehmer, Gastgeber und ein Wadenbeißer, der an abgesprochene Regeln und Kommunikationsformen erinnert. Das Logbuch ist für Daten und Fakten während ein persönliches Protokoll subjektive Sichtweisen und Gedanken festhält. Die Ratsuchende kann sich auch einen persönlichen Sekretär wünschen.

Eine Besonderheit im KoBeSu Prozess ist die Störungskarte. Sie stellt für die Ratsuchende so etwas dar wie eine Notbremse. Fühlt sie sich im Beratungsprozess an der konstruktiven Weiterarbeit gestört, ermöglicht die Störungskarte das Anmelden der Störung. Im Sinne der Regel „Störungen haben Vorrang“ aus der Themenzentrierten Interaktion (R. Cohn)  kann dann die Störung so leichter bearbeitet werden.

 

3. Das KoBeSu Verfahren
Das Verfahren der KoBeSu besteht meist aus zwei Hauptphasen.
In der ersten Phase „Sicherheit und Vertrauen“ spricht die Ratsuchende ihre Subjektiven Theorien aus, macht sie sich bewusst. In der zweiten Phase „Skepsis und Konfrontation“ werden die ausgesprochenen Sichtweisen der Ratsuchenden durch verschiedene Unterphasen infrage gestellt, um eine Veränderung der Subjektiven Theorien zu ermöglichen.

Erste Phase: Sicherheit und Vertrauen
Die rotierenden Aufgaben: Moderation, Gastgeber für Pausengestaltung, Zeit und Protokoll sind vorher festgelegt. Ziel der ersten Phase ist die Aussprache der Subjektiven Theorien.


Hier finden Sie einen Ablaufplan für eine KoBeSu Kurzberatung zum Herunterladen.


Mit der Frage „Was liegt bei euch oben auf?“ eröffnet der Moderator die Arbeitsphase der Gruppe, um damit herauszuhören, welche Themen die Teilnehmer beschäftigen. Der Moderator fasst die geäußerten Beiträge zusammen und arbeitet ggf. mit den Teilnehmern heraus, wer heute Ratsuchende ist.


Hier finden Sie ein Arbeitspapier zu den Techniken des aktiven Zuhörens zum Herunterladen.


 

Der Ratsuchenden wird in der ersten Phase sorgfältig aktiv zugehört. Im Sinne des Kommunikationsquadrates hören die Berater mit dem Selbstkundgabeohr zu, sie hören, und spiegeln was die Ratsuchende über sich selbst aussagt. Die Berater spiegeln eher das persönliche Erleben („Es hat dich sehr belastet, dass …“) als Aspekte der Situation („Die Tafel war dreckig …“) oder das Verhalten anderer Personen („Und dann ist dein Kollege eingeschritten …“). Wichtig ist, dass keinesfalls Fragen gestellt werden die ergründen (warum, weshalb), weil sie zur Verklebung mit den Prämissen führen („Warum machst du das?“ – „Darum!“). Fragen sind auch in dieser Phase ungünstig, weil sie konfrontieren, in eine andere Richtung lenken und zur Antwort verpflichten. Ratschläge und Tröstungen sind verboten. (vgl. Schlee 2004, S. 86)


Hier finden Sie den KoBeSu- Prozessanzeiger zur Visualisierung der Abläufe zum Herunterladen.


 

Die erste Phase dauert zwischen 15 Minuten bis zu 45 Minuten. Um sorgfältig arbeiten zu können, ist mehr Zeit günstiger. Hat die Ratsuchende ihre subjektiven Sichtweisen hinreichend aussprechen können, kann der Moderator die Unterphase des „Präzisierenden Nachfragens“ einläuten. In der Unterphase „Präzisierendes Nachfragen“ können Fragen zu den subjektiven Theorien gestellt werden, es geht um die W-fragen: wer, was, wann, wie, wo. z.B.: „Was ist dir durch den Kopf gegangen?“, „Wie hast du die Äußerungen deines Kollegen interpretiert?“…. In der Regel wird nicht nachgefragt.

Wertschätzender Kommentar
Den Abschluss der ersten Phase bildet der Wertschätzende Kommentar. Diese Variante wurde im Studienseminar Lüneburg für das Lehramt für Sonderpädagogik für KoBeSu vom Autor entwickelt.
In der ersten Beratungsphase erfährt die Ratsuchende vorwiegend Klärungshilfe im Sinne des aktiven Zuhörens. Durch den Wertschätzenden Kommentar können die Berater auch von sich etwas mitteilen, was bei der Ratsuchenden als „warmer Regen“ ankommt.


Hier finden Sie ein Arbeitspapier zum Wertschätzenden Kommentar zum Herunterladen.


Ausgesprochen wird der Wertschätzende Kommentar in einer Sprechsteinrunde, eingeleitet durch den Moderator. Die Berater formulieren reihum aus ihrer Sicht, was bei der Ratsuchenden trotz des geschilderten Problems gelingt, wo Kraftquellen gesehen werden und was die Ratsuchende vielleicht ausprobieren könnte. Dabei wird eher vorsichtig, unsicher, suchend „konjunktivisch“ („es könnte sein…“, ich bin mir nicht sicher …“) resümiert, statt Ratschläge und Empfehlungen zu geben.
(vgl. Schlippe & Schweitzer. 1996)

Damit ist die erste KoBeSu Phase abgeschlossen, der Moderator erläutert zum Beginn der Pause, dass in der ersten Phase der Ratsuchenden zugehört wurde. In der Pause darf über alles geredet werden, nur nicht über das Anliegen der Ratsuchenden.

Zweite Phase: „Skepsis und Konfrontation“
Das Ziel der zweiten Phase besteht darin, die Ratsuchende behutsam aber beharrlich zu konfrontieren und ihren Sichtweisen skeptisch zu begegnen. Hierdurch soll die Ratsuchende die Möglichkeit erhalten, ihre Subjektiven Theorien zu überprüfen und ggf. zu ändern. Schlee dokumentiert 20 Konfrontationsmethoden, die in verschiedenen Unterphasen zur Anwendung kommen können. Die Beratergruppe sucht aus diesem Pool für das spezifische Anliegen vier bis sechs passende Methoden heraus und überlegt eine Reihenfolge. Wenn die Ratsuchende mit der Konfrontationsphase einverstanden ist, schlägt der Moderator die erste ausgewählte Methode vor. Weil die Ratsuchende immer selbstbestimmt bleibt und die letzte Entscheidung trifft, kann sie die gewählte Methode auch ohne Begründung ablehnen.

Die Konfrontationsmethoden lassen sich in drei Gruppen unterteilen, bei denen die Aktivität der Beteiligten unterschieden wird:
Beratergruppe aktiv, Ratsuchende hört zu
Beratergruppe stellt ritualisierte Fragen, Ratsuchende antwortet
Beratergruppe aktiv und Ratsuchende aktiv
Auch gibt es Unterschiede in der Art der Anregung durch die Konfrontationsmethoden. Die jeweilige Methode kann einen Perspektivwechsel, einen Sortiervorgang oder eine Auseinandersetzung mit einer Außensicht anregen.


Konfrontationsmethoden in Stichworten
Hier finden Sie Arbeitskarten, auf denen die einzelnen Methoden kurz beschrieben sind. Anstatt diesen fertigen Arbeitssatz zu verwenden, empfehle ich das Set nach eigenen Bedürfnissen zu verändern oder gleich ein eigenes herzustellen, um sich mit den einzelnen Methoden besser vertraut zu machen.


Drei Beispiele sollen die Arten der Konfrontationsmethoden exemplarisch verdeutlichen:


Relativierungen durchdenken
Bei der Konfrontationsmethode „Relativierungen durchdenken“ fragen die Gruppenmitglieder ungefähr 3-6 mal der Reihe nach:
„NAME, was wäre schlimmer (als das, was du uns berichtet hast)?“
Die Frage darf nicht variiert werden, weil sich dadurch die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Ratsuchende mit dem Beziehungsohr hört, statt bei der Sache zu bleiben. Die Wiederholung der gleichen Frage durch ein anderes Gruppenmitglied ermöglicht der Ratsuchenden eine tiefere Durchdringung ihrer Antwort.


Sichtweise von Beteiligten ansprechen
Die Konfrontationsmethode „Sichtweise von Beteiligten ansprechen“ fordert von der Beratergruppe Kreativität. Es geht darum, sich in einen Beteiligten einzufühlen und aus dieser Perspektive heraus zu sprechen. Wenn beispielsweise von der Ratsuchenden in der ersten Phase der Umgang mit einem schwierigen Schüler benannt wird, kann dieser Schüler nun eine eigene Stimme erhalten: „Frau XY ist so gemein zu mir, schon wieder musste ich vor die Tür. Ich hab doch nur an mein totes Meerschweinchen gedacht.“


Die sechs Fragen stellen
ist eine starke Konfrontationsmethode. Hier ist es wichtig, an die Störungskarte zu erinnern, langsam zu arbeiten und anteilnehmende Resonanz zu geben, um die Sicherheit der Ratsuchenden nicht zu gefährden. Die Gruppenmitglieder stellen jeweils nur eine Frage, sie variieren die Reihenfolge und Häufigkeit folgender Fragen:
NAME, was fühlst du?
NAME, was willst du? / wünschst
NAME, was erwartest du?
NAME, was vermeidest du?
NAME, was befürchtest du?
NAME, was tust du?
NAME, was brauchst du?
Es können insgesamt 12-18 Fragen gestellt werden. Diese Fragen erlebt eine Ratsuchende als starke Konfrontation mit sich selbst. Schlee schreibt, dass die Fragen eine Ratsuchende hetzen können wie sechs Hunde einen Hasen. (vgl. Schlee 2004, S. 97)


Tipps zur Auswahl von Konfrontationsmethoden
Stehen die Konfrontationsmethoden auf einzelnen Karteikarten, so lassen sich die Methoden schnell sortieren (passend / unpassend; wichtig / unwichtig).
Vorschlag: weglegen, was unpassend ist.
Übrig bleiben viele passende Methoden. Von diesen lassen sich die vier bis sechs wichtigsten auswählen. Die Anzahl der Methoden ist weniger entscheidend als die Frage, wie intensiv einzelne Konfrontationsmethoden durchgeführt werden sollen. Diese Vorauswahl können die Gruppenmitglieder untereinander vergleichen und absprechen. Eine Reihenfolge wird fest gelegt.

Sprechstein einsetzen
Durch den Sprechsteineinsatz wird klar, wer genau an der Reihe ist. Und das Tempo der Phasen wird insgesamt verlangsamt. Wer keine Idee zur jeweiligen Konfrontationsmethode hat, gibt den Stein einfach weiter.

Vertrauen und Sicherheit überprüfen
Hin und wieder (anfangs ggf. nach jeder Runde bzw. jeder Konfrontationsmethode) wird die Ratsuchende gefragt: „Bist du noch bei uns?“ oder „Fühlst du dich bei uns noch wohl?“ oder „Fühlst du dich noch sicher und vertraut“.
Das ist wichtig, um festzustellen, ob die psychische Sicherheit noch gegeben ist. Die Konfrontationen sollen dazu anregen, die Subjektiven Theorien der Ratsuchenden in Frage zu stellen, nicht aber dazu führen, dass sich die Ratsuchende Person verunsichert, fertig gemacht oder missachtet fühlt.
Daher ist es auch wichtig von Zeit zu Zeit auf die Störungskarte aufmerksam zu machen.
Sollte – was selten geschieht – sich die Ratsuchende nicht mehr sicher und vertraut fühlen, wird die 2. Phase abgebrochen und zurück zur 1. Phase gegangen.

Abschluss
Zum Abschluss der zweiten Phase fragt der Moderator die Ratsuchende im Sinne eines Feedbacks an die Gruppe, ob sie bereut hat, heute Ratsuchende zu sein. Es wird an die Verschwiegenheit erinnert und mit einem Blitzlicht aller Beteiligten die Sitzung beendet. Vielleicht müssen noch formale Dinge (Termine, Aufgaben …) für das nächste Mal besprochen werden.

4. Erfahrungen
Das Modell der Kollegialen Beratung und Supervision (KoBeSu) gehört seit mehreren Jahren im Studienseminar Lüneburg für das Lehramt für Sonderpädagogik zum Bestandteil der Ausbildung, da auch die Aufgaben von Sonderpädagogen im Rahmen der inklusiven Schule stärker auf Beratung und Unterstützung der allgemeinen Schule liegen. Zunächst wurde KoBeSu als Zusatzqualifikation mit 36 Stunden angeboten, nach veränderten Vorgaben des Ministeriums nun als Teil eines Moduls „Beratung“ mit geringerem Stundensatz.
Viele der Teilnehmer schätzen ihren persönlichen Gewinn durch KoBeSu als „unerwartet groß“ ein. Durch die enge Zusammenarbeit in KoBeSu wird ein tragfähiges soziales Netz aufgebaut, das eine wesentliche Ressource für die Gesunderhaltung im Lehrerberuf ist. Zur eigenen psychischen Entlastung und Entspannung möchten die Meisten weiter in einer kollegialen Unterstützungsgruppe zusammen arbeiten. Auch haben die Teilnehmer gelernt und geübt zu beraten. Sie können Gespräche gestalten im Sinne des aktiven Zuhörens und Methoden auswählen und anwenden, um Probleme aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Das führt zur Professionalisierung in anderen pädagogischen Kontexten, wie Gesprächen mit Schülern von der Notenbesprechung bis zur Streitschlichtung, günstigere Gestaltung von kritischen Elterngesprächen und dem besseren Alltagsaustausch mit Kollegen.

Literatur

  • Schlee, Jörg (2004): Kollegiale Beratung und Supervision für pädagogische Berufe. Hilfe zur Selbsthilfe. Ein Arbeitsbuch, Stuttgart
  • Schlippe, Arist von & Schweitzer, Jochen (1996): Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung. Göttingen. vgl. zum Wertschätzenden Kommentar die Kapitel: Kommentare, Schlussinterventionen, Die Arbeit mit dem Reflektierenden Team
  • Schultz von Thun, Friedemann (1981): Miteinander reden 1 – Störungen und Klärungen. Hamburg
  • Weinberger, Sabine (1980): Klientenzentrierte Gesprächsführung. Eine Lern- und Praxisanleitung für helfende Berufe. Weinheim und Basel

Austauschforum – KoBeSu